Es war grandios. Ein Wunderwerk! Nie hat man dergleichen gesehen!

Es begann langsam, gemächlich fast, mit kleinen bunten Leuchtkugeln, die in den Himmel aufflogen und in einer Parabel zur Erde zurückkehrten. Dann hüpften kleine weiße Lichter durch die Dunkelheit, manche flogen hoch in die Luft, andere schafften es kaum über Mannshöhe; es zischte, und es folgten ähnliche Lichter in Rot, die wie Vögel vorüberflatterten. Ein lauter Knall ertönte, ein violetter Schein erstrahlte und verlöschte wieder. Im Publikum herrschte erwartungsvolle Stille. Eine Minute lang geschah nichts.

Dann brach ein fürchterliches Gewitter los, es blitzte und donnerte, oft jagten mehrere Blitze gleichzeitig durch die Finsternis, weiß und in giftigem Lila, der Donner grollte vom einen Ende des Himmels zum anderen und klang manchmal krachend wie splitterndes Holz, wie umknickende Bäume, und dazwischen prasselte es wie Hagelschlag, so dass man sich unwillkürlich duckte, Zuflucht suchen wollte, aber es war nichts, es war nichts. Es war nicht real.

Das Unwetter verebbte; hier und dort zuckte noch ein Blitz, dann war es vorbei. Und die nächste Phase begann, jetzt wurde es bunt – rot, grün, violett und blau, mit goldenen und silbernen Sonnen durchsetzt, eine pausenlose Aufeinanderfolge sich entfaltender Päonien, Chrysanthemen und Rosen, die am Himmel erblühten wie junge Sterne, immer mehr und immer größer wurden sie, immer ausladender türmten sie sich übereinander und überboten sich gegenseitig, und als nach vielen atemlosen Minuten wieder eine Pause der Schwärze eintrat und das Publikum schon applaudierte, weil es das Ende der Vorstellung gekommen wähnte, setzte ein Spektakel ein, bei dem den Zuschauern Hören und Sehen verging, weil sie nicht mehr glauben konnten, dass dies noch Kunst sei, Technik.

       Denn begleitet von Heulen und Pfeifen zog jetzt ein Meteorschauer über den Himmel, überwölbt von sieben geschweiften Kometen; drei Supernovae in Purpur und Türkis leuchteten auf und verlöschten, und am Horizont wuchs ein Polarlicht heran, das sich wie ein durchscheinender grüner Vorhang vom Himmel senkte und immer näher rückte, bis es schließlich unmittelbar vor den sprachlosen Zuschauern stand. Und aus dieser grünen Wand stieg die letzte Rakete empor und entfaltete einen mehr-, nein sechsfarbigen Schweif, den sie hinter sich herzog. In allen Spektralfarben leuchtend. Er zeichnete einen wunderbaren, fast perfekten Halbkreis in den Himmel: Über dem unfertigen Bau von Berlin21 stand, sekundenlang, ein illuminierter künstlicher Regenbogen.