Zusammenfassung:

Hierbei handelt es sich um einen sehr speziellen Krimi.

Als ich das Buch erhielt, lag ein handgeschriebener Zettel bei, welcher mir freundlich auftrug die „Rheingold Oper“ zu googlen.

Diese Oper stammt von Richard Wagner und ist ein Bestandteil aus dem: Der Ring der Nibelungen. Wie das zu einem Krimi passt, verunsicherte mich ein wenig. Während es in der Oper um den Wert des Goldes ging, innerhalb der nordischen Mythologie und sich in der Welt der Götter abspielte, verwirrte es mich anfangs.

Zu Beginn des Buches gibt es eine Leiche. Ein Mann wird am Sterntaler See gefunden, mit einer Flasche erschlagen und seltsamen Gummischuhen, genau genommen 5-Zehen-Schuhe. Obligatorisch kommt eine polizeiliche Ermittlung hinzu und dann springt der Autor in der Geschichte zurück.

Nicht umsonst nutzt er Datumsangaben, anstatt Kapitelüberschriften. Bei der Leiche handelt es sich um einen Berliner Bauunternehmer, welcher in der Nähe eines Müncheners Sees gefunden wird.

Die Story findet sich bei einem Berliner Politiker wieder. Welser, der Ministerpräsident plant, ein Opernhaus zu bauen, hört gerne Wagner und meldet sich bei einem Edelbordell am Sterntaler See an. Ein Museum, welches nachts zu einem exklusiven Freudenhaus wird, in dem die höchste Diskretion herrscht. Währenddessen kauf der Bordellbesitzer sich ein alten Rolls in Indien.

Der Autor rollt die Geschichte in der Vergangenheit auf, zeigt die Abgründe, die Abartigkeit und die Dekadenz der Reichen. Bestechlichkeit, Angst vor der Presse, Geld, das pompöse Leben der Superreichen, die die Fäden der Gesellschaft in der Hand halten.

Fazit:

Ehrlich gestanden suche ich noch immer die Satire. Ich konnte weder lachen, noch schmunzeln. Der Autor zeigt gekonnt die Perversion der Reichen auf. Wie weit diese vom Wesentlichen abgekommen sind, doch Satire ist dies keine. Ich vermute, dass der Autor, aufgrund der Details in diesen Kreisen verkehrt. Dabei beschreibt er mir den Hochmut, die kranke Gesellschaft zu genau.

Wie Trommelschläge prasselte der Text auf mich ein. Einen Spannungsbogen vermisste ich vollkommen und die erotischen Einlagen spiegelten nur die vielen Antihelden wieder. Es mag gut sein, dass diese Oberen bereits so fremd den weltlichen Ansprüchen geworden sind, dass viele Leser dieses Buch bejubeln würden, doch mir gefiel es nicht.

Womöglich liegt es daran, dass ich München kenne und auch die teilweise Boshaftigkeit dieser Stadt leid bin, vermutlich tue ich diesem Buch unrecht, doch es ist nicht meins. Noch mehr störte mich, als plötzlich der Autor mich belehrend im Text ansprach, ich das Gefühl bekam ein Schüler zu sein und später setzte er noch die genderkonforme Formulierung ein. „Liebes Les“ – nutzte er dazu.

Dabei stand doch Krimi auf dem Cover?

Das Cover erklärt der Autor auch noch am Ende. Wenn ich aber zu viel erklären muss, dann mache ich als Autor etwas falsch. Man sollte den Lesern doch etwas Freiraum geben, diesen nahm er mir.

Zwar hat dieses Buch einen tollen Einband, ich erhielt ein Hardcover, die Silhouette von München erscheint darauf. Genau genommen, befindet sich der See in der Nähe von München, doch eigentlich hat es nichts mit dem Buch zu tun. Die Farbe, so erklärt der Autor, hängt mit der Färbung der Isar zusammen. Nun gut… darüber kann man streiten, aber irgendwie passt es dann doch nicht zum Inhalt, zumal Kriminalsatire drauf steht und ich eigentlich Sarkasmus verstehen kann.

Letzten Endes, fand ich es zu bösartig, zu kalt, empathielos und der Autor gab mir keine Luft zum Atmen. Wie Hagel schlugen die Sätze, die Informationen ein, vernichteten jeden Spannungsbogen. Die Ausschweifungen, seine Prokrastination, folterten mich regelrecht.

Cover:  4 Sterne

Idee:  3 Sterne (Krimisatire – dafür bekam ich bösartig triefenden Sarkasmus)

Schreibstil:  4 Sterne (Zwar fehlerfrei, aber viel zu hohes Tempo)

Charaktere:  2 Sterne (Klar alles Antihelden, aber sie unterschieden sich nicht wesentlich voneinander oder spiegelt überzogene Klischees wieder.)

Umsetzung: 2 Sterne (Nur weil der Autor hochtrabend etwas erklären kann, muss es nicht gut sein.)

3 Sterne

Zum Schluss möchte ich mich bei dem Autor bedanken. Das Buch wird seine Leser finden, nur mich konnte es nicht vollkommen Begeistern. Mit Isaak Rosenblatt schrieb ich in den vergangenen Tagen einige Mails und ich muss sagen, er ist netter, als ich ursprünglich annahm. Ein Mensch der die Welt mit seinen eigenen Sinnen erfasst und ich glaube, dass er nicht ganz so emphatielos ist, wie sein Werk es erscheinen lässt.

Die Rheingoldoper, ein jüdischer Autorenname und die Kritik an der heutigen Gesellschaft der „Oberen“, haben einen Platz in der Bücherwelt verdient. Es ist kritisch, mutig und es spricht ein heikles Thema an. Nur phasenweise war es überladen und dadurch ging die Handlung verloren.

Danke, dass ich dieses Buch erleben durfte!